Der Reigentanz der Mimosen

Posted on 25. November 2016

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Sich über das Glück anderer zu freuen ist eine Kunst, die immer weniger Menschen zu beherrschen scheinen. Es gibt sogar solche, die es schaffen, ihren Facebook-Freunden die Freude so richtig zu vermiesen, ja ihnen gar ein schlechtes Gewissen zu machen, dass sich die Betroffenen stehendes Fusses für ihren «Fauxpas» entschuldigen.

Wie kann man aber auch so töricht sein, im Überschwang der Euphorie zu schreiben, endlich eine richtige Familie zu haben, d.h. eine mit zwei Kindern! Das kann ja wohl nicht allen Ernstes kommentarlos stehen gelassen werden. Selbst wohlüberlegte, anti-diskriminierende Ergänzungen, um ja keinen zu verletzen: «Was auch immer „richtig“ ist und du darunter verstehst…» helfen nicht weiter, Gekränkte zu besänftigen. Was gesagt werden muss, MUSS sein! So finden es manche «ein wenig sehr schade, dass Menschen ohne Kinder somit automatisch „unnormale“ Familien sind.  Allen Grund, sich in seiner Ehre verletzt zu fühlen, und diesen unermesslichen Schmerz in die FB Welt hinausbrüllen.

Dabei sind nun mal Menschen ohne Kinder keine Familie. Der Begriff Familie definiert sich aus dem umfassende Beziehungsverhältnis zwischen Eltern und Kindern.

Es wäre also tatsächlich «unnormal», von Menschen als Familie zu reden, wenn sie kinderlos sind. Heute gelten Familien mit zwei Kindern als normal, weil sie dem Durchschnitt entsprechen, und alle anderen mit mehr als 3 Kindern gelten als unnormal, oder – man höre und staune als «asozial». Diese «Unnormalen» haben allerdings keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, ob sie nun normal sind oder nicht, da sie meist ums Überleben kämpfen.

Die Realität ist gemein und grausam und verglichen mit der Kriegsgeneration ist unser Leben sowieso ein Jammertal, geprägt von traumatischen Kinderheitserfahrungen, weil das iPhone 7 nicht unterm Weihnachtsbaum lag.

Aber das  dahinterstehende Problem ist ein völlig anderes. Hier werden lediglich Schattengefechte geführt, deren Ursprung im gesellschaftlich salonfähig gewordenen narzisstischen Tanz, um sich selbst zu suchen ist. Wir sind alles kleine Götter, die pikiert sind, wenn sie übersehen werden. Begonnen mit der Selbstfindungsphase in den 70iger bis zur Selbstverwirklichung seit den 80iger Jahren und dem daraus resultierenden Selbstvertrauen, ging es schnurstracks Richtung Selbstüberschätzung, nur mit der Selbsterkenntnis haperte es etwas, und als Gefangene unserer selbst, blieb uns nichts Anderes übrig, als Selbsthilfegruppen zu gründen.

An und für sich ist nichts gegen ein gesundes Selbstwertgefühl einzuwenden, lediglich die pervertierten Formen schaden, da ganz übersehen wird, dass es auch noch andere gibt, die nicht Teil meiner selbst sind, und sie deshalb anders denken, anders leben, andere Meinungen haben und hie und da sogar enttäuschen und verletzen.

Mimosen gehören zu einer besonderen Spezies der „Sensiblen“ – in eigener Sache versteht sich – sie fühlen sich vom Rest der Welt angegriffen und unverstanden. Diese, zur Humorlosigkeit neigenden Wesen, befinden sich im Dauermodus des «Eingeschnappt seins», deshalb ist es besonders schwierig, ein «normales» Gespräch mit ihnen zu führen.

So ist es für manchen von uns zu spät, denn dass selbst aufgeblähte ICH, welches stolz daherkommt, begleitet von der permanenten Angst zu kurz zu kommen, nicht im Mittelpunkt des Weltgeschehens zu stehen oder das Gefühl ausgegrenzt und diskriminiert zu sein, hat sich längst breitgemacht. Es schwillt an, um in regelmässigen Abständen zu platzen wie ein Ballon.

Da hilft nur eins, lass die Luft raus! Dir und Deiner Umwelt zuliebe.

PS Sollten Sie nun der Versuchung unterliegen, anderer Meinung als ich zu sein, kann ICH ganz schön ungemütlich werden.

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