Napola

Posted on 17. September 2016

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Ja ich weiss: Dokus, Filme, Bücher und Artikel, die sich mit dem «Dritten Reich» beschäftigen, sind zur Genüge abgehandelt worden und inzwischen so ausgeleiert, dass man nur noch die Augen verdreht. Aber der Film «Napola» ist ein Muss, für mich einer der besten Filme zu diesem Thema.

Der junger, begabter Mann, Friedrich, wird vom Trainer der Eliteschule «Naploa» entdeckt. Die Chance fürs Leben, als einfacher Arbeiterjunge eine Boxerkarriere zu machen und gleichzeitig zu den ganz Grossen des Landes zu gehören, ist damit in greifbare Nähe gerückt. Denn «Napola» ist nicht irgendeine Schule, sondern die Eliteschule des Führers.

Das erste Dilemma des aufsteigenden Nachwuchsboxers beginnt in seiner Familie, die alles andere als hitlerfreundlich gesinnt ist. Aber die Faszination, dieser Schule angehören zu dürfen, ist grösser, so dass er sich eines Nachts wie ein Dieb aus dem elterlichen Hause schleicht und sich auf den Weg in die gelobte Internatsschule macht.

Erbarmungslos und knallhart wird dort alles ausgemerzt, was auch nur einen Hauch von Mitmenschlichkeit in sich trägt. Nichts für Weichlinge. Der steinhart durchtrainierte Bauch des Sportlehrers bildet gewissermassen eine Symbiose mit Herz und Verstand. Jeder, der diese Schule verlässt, sollte «hart wie Kruppstahl» sein, eine noch heute gebräuchliche Redewendung. Die Firma Krupp produzierte den härtesten Stahl für die Rüstungsindustrie und so kam diese auch in  Hitlers Rede  am 14. September 1935 vor rund 50’000 HJ-Jungen im Nürnberger Stadion nicht zu kurz: „In unseren Augen muss der deutsche Junge der Zukunft schlank und rank sein, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl.

Politik regiert und Wirtschaft produziert, so wäscht eine Hand die andere, nur von der Moral hat man sich verabschiedet, deshalb wohl auch die Trennung von Kirche und Staat?

Ein gezielter Schlag des Boxertalentes in besagte Bauchgegend des getreuen Hitlersportlehrers lässt hoffen, dass bei Friedrich moralisch noch nicht alles verloren ist. Da er sich ausgerechnet mit Albrecht dem schöngeistigen Sohn des Ortsgauleiters anfreundet, der wiederrum das ganze Gegenteil seines Vaters verkörpert, ist sein weiteres Schicksal besiegelt. Eindrücklich und auf einfühlsame Weise dargestellt, beginnt eine Reise in die spürbare Gedankenwelt eines jungen sensiblen Internatsschülers, welche durch pointierte Momente seine Wirkung auch bei Friedrich nicht verfehlt.

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