Lady sucht Gentleman

Posted on 25. Mai 2016

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Lady? Schon die Suche nach einem geeigneten Foto unter Google oder Fotolia erweist sich als Desaster. Man findet alles – nur keine Lady! Die vornehme Dame wurde still und heimlich abgeschafft oder vielmehr im Zuge der «Feminisierung» in die Mottenkiste verstaut. An ihrer statt ist das «Karriereweib» getreten, das hart wie Kruppstahl glaubt, alles selber machen zu können oder mimosenhaft narzisstisch Sonderbehandlungen erwartet und hofiert werden will, wie eine Edeldame, obschon sie keine ist. Eine echte Lady hingegen ist von den gleichen Tugenden wie der Gentleman erfüllt, allen voran der «Demut». Nach Augustinus ist die inzwischen wieder in Mode gekommene Demut die «Mutter aller Tugenden»! Eine Provokation für das Selbstverständnis des modernen Menschen.

Höchste Zeit dem stiefmütterlichen Dasein der Lady ein Ende zu setzen, ist sie doch bedroht wie keine andere Minderheit. Ja, sie erscheint sogar noch seltener als der Gentleman, dabei braucht es sie dringender denn je, nicht nur um ihrer selbst willen, auch der Gentleman ist ohne ihr Pendant dem Untergang geweiht und droht wie die Titanic am (feministischen) Eisbergklotz zu zerschellen.

Der Stil ist im Eimer und die Sprache befindet sich in der Gosse

 

 

 

 

 

 

Dabei gab es bis in die fünfziger Jahre viele, zumindest was die Kleidung betraf. Von der Sekretärin bis zur «Grand Lady» etablierte sich ein  Kleiderstil, der sich von den «leichten Mädchen» unterschied. Heute trifft man quer durch alle Gesellschafts- und Altersschichten auf «leichte Mädchen». Da sieht man Mütter, deren Röcke kürzer sind als die ihrer zwanzigjährigen Töchter und einen «geilen» Wortschatz besitzen, dass einem Sehen und Hören vergeht. Dabei könnte alles so schön sein, wenn man nur gewillt wäre, auf altbewährte Axiome zurückzugreifen, die neben Orientierung auch Halt geben. Die «Eiserne Lady» Margaret Thatcher favorisierte den Grundsatz aus dem Talmud:

„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Deine Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Deine Taten. Achte auf Deine Taten, denn sie werden Deine Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Und achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.“

Harmonie?

Wie es der Zufall wollte, fiel mir kürzlich ein interessantes Paar auf. Er trug feinste rahmengenähte Schuhe mit passendem Outfit (Marke Gentleman) und sie Leinenhemd, Federohrringe und Öko Schuhe (Marke Alternativ-Künstlerin). In sich wirkten sie stimmig, nur zusammen wollte es nicht so recht harmonieren. Im Zeitalter der Individualisierung ist dies natürlich kein Problem und selbstverständlich ist eine stilistische Einheit nicht Voraussetzung für das Gelingen einer Ehe aber ein Genuss fürs Auge ist es dennoch, wenn Paare stilmässig zusammenpassen.

                   

Bei der «Ladysuche» blieb mir nichts Anderes übrig, als auf die englische Königsfamilie zurückgreifen. Die kurzen Röcke der Herzogin Kate wurden unter der Obhut der Schwiegermutter Queen Elizabeth knieumspielend d.h. zum „Lady-Mini“, so wie es sich für eine Lady mit Repräsentationspflichten gehört. Mode hin oder her! Schliesslich trägt ein Gentleman auch keine kurzen Hosen ausserhalb seines eigenen Reviers, mag er noch so schöne behaarte Beine haben. Nicht dass generell etwas gegen Miniröcke einzuwenden sei, aber Frauen, die ein gewisses Alter erreicht haben, sollten dieses Kleidungsstück aus ihrem Kleiderschrank auf Nimmerwiedersehen verbannen.

Das Leben einer Lady mag manchmal etwas kompliziert sein, da sie sich nicht gehen lässt und niemals wie ein zerzauster Besen aus dem Haus flattert. Sie trägt ihren Stil mit Würde, der mitunter zeitaufwendig und unbequem ist, dafür bietet sie ihren Mitmenschen in der Regel einen erfreulichen Anblick. Wobei es nicht auf den Inhalt des Portemonnaies ankommt weder bei der Lady noch beim Gentleman. Schrieb doch unlängst ein Leser:

«E. Kant lebte meist in sehr ärmlichen Verhältnissen. Trotzdem legte er größten Wert auf sein Äußeres; nicht um seine Umstände zu verschleiern, sondern „damit seine Mitmenschen sich an seiner Erscheinung erbauen». Wie recht er hat!

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