Was ist Liebe?

Posted on 9. April 2016

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Alle sprechen von Liebe, alle wollen Liebe, alle glauben ein Recht auf Liebe zu haben und gleichzeitig wissen alle und keiner zugleich, was Liebe ist. Liebe hat viele Gesichter, eigentlich zu viele, da fällt es schwer, „Liebe“ von „Liebe“ zu unterscheiden, zumal sämtliche Gruppierungen die „wahre Liebe“ für sich entdeckt zu haben glauben und im Zuge des Egotrips diese zu instrumentalisieren suchen.

Geliebt wird kreuz und quer, rauf und runter. Nein, natürlich würde keiner von sich behaupten, aus falschen Motiven heraus zu lieben. Auch der viermal verheiratete Rockstar Peter Maffay nicht. Wichtig seien ihm seine Lebensprinzipien, an denen er nicht rütteln lasse: „An meinem Tempo. An meinem Egoismus. An meiner Kompromisslosigkeit. Insbesondere dieses „viele Zuhören müssen“ sei ihm zuwider. Von all seinen Partnerinnen habe er Sätze gehört wie „Hör mir zu“, „Nimm mich ernst“, „Denk nicht nur an dich“. Das, so Maffay, sollte man aus dem Eheleben outsourcen. Nur zu verständlich, dass Menschen sich selbst heiraten oder mit ihrer Liebe auf den Hund gekommen sind und um des Hundes Pfote bitten. Die lutherische Gemeinde in Nordhorn versucht ihren Konfirmanden die „Liebe“ näher zu bringen, indem sie sie in andere Geschlechterrollen samt Kleidertausch schlüpfen lässt. Nicht zu vergessen, Leihmütter für unerfüllte Kinderwünsche stehen besonders hoch im Kurs, es geht doch nichts über das eigene Liebes-Wohl. Dabei scheint heute nichts zutreffender zu sein, als die Aussage, dass „Liebe“ blind macht.

Liebesbeziehungen beginnen da, wo Hollywood-Filme aufhören. So schön die Glücksgefühle des „Verliebtseins“ sind, von Dauer sind sie nicht. Glückshormone sorgen leider nicht für „echte Nachhaltigkeit.“ Auch der perfekte Kuss bei Verliebten, von erfinderischen Wissenschaftlern unter die Lupe genommen, verspricht nicht die perfekte Liebe, daran ändern auch Perfektionisten nichts. Schon die Achtundsechziger glaubten, mit Liebe den Himmel auf Erden errichten zu können, dabei hat nichts so viele Enttäuschungen verursacht, wie diese grenzenlose Liebe, weil „Eros“ allein in eine Sackgasse führt. Weder Liebesmangel kann damit kompensiert noch Sehnsüchte gestillt werden. Allenfalls können Symptome für kurze Zeit zum Schweigen gebracht werden, niemals aber Ursachen. Wer meint, vom anderen das zu bekommen, was er dringend braucht, Erfüllung oder gar Erlösung im anderen sucht, sollte erst gar nicht heiraten. Dieser Erwartungsdruck lässt Beziehungen zerbrechen, noch ehe sie richtig begonnen haben.

In Blogs und Büchern emanzipierter Frauen ist zu lesen, wie sie von einem Liebesabenteuer ins nächste stürzen. Desillusioniert und frustriert geben sie offenherzig Einblick in ihr eigenes Leben oder geben sich über Romanfiguren „Die Halbwertszeit der Liebe“ ein Gesicht. Schonungslos wird abgerechnet, auch damit, dass Sex und Nähe unvereinbar sind und man sich von der Illusion der Monogamie verabschieden sollte. Warum überrascht eine solch deprimierende Einstellung nicht?

Es gibt eben nicht nur einen Unterschied zwischen „Liebe“ und „Liebe“ sondern auch zwischen Wissen und Weisheit. Letzteres kommt in den Schriften der „Theologie des Leibes“ zum Tragen. Weisheit spricht auch aus den Worten einer Ordensschwester, die auf die Frage: „In all dem Gerede über Gott suchen Sie doch eigentlich nur den Sex“ antwortet: „Nein. In all dem Gerede über Sex sucht die Welt eigentlich nur Gott“.

Ohne Frage, „Eros“ gehört zum Menschen, und jeder sollte sich daran erfreuen, auch Salomo im Hohelied tat das, obschon die vielen Frauen an seiner Seite nicht unbedingt auf Treue schliessen lassen. Dabei wäre genau das ein Indiz für Liebe. Echte Liebe verlässt allmählich den siebten Himmel, ohne aus allen Wolken zu fallen. Liebe bedeutet nämlich alles andere als der Antrieb, selbst geliebt zu werden. Diese narzisstische oder pervertierte Liebe, welche knechtet und zu immer mehr und immer höher antreibt, ruiniert sich selbst und andere und hat mit der wahren Liebe nichts zu tun. Im Zentrum dieser Liebe steht das eigene ICH. Stark beeinflusst vom griechisch humanistischen Denken, welches sich in der französischen Revolution fortsetzte. Zum menschlichen Gegenstück der Gottesoffenbarung „Ich bin, der ich bin wurde René Descartes (1596-1650) Aussage „Ich denke, also bin ich“:  Auf diese Weise kann der Mensch seine Identität in sich selber, genau genommen in seinem eigenen Denken, begründen. Angeregt durch die Aufklärung und ihrer philosophischen Kampfschriften steht der Mensch auf seiner Bühne im eigenen Rampenlicht, und die damit einhergehenden Gefühle kommen und gehen.

Dabei ist Liebe kein Gefühl. Liebe ist vielmehr eine Entscheidung! Oder eine „Herzensentscheidung“. Liebe möchte weder besitzen noch beherrschen. Sie stellt keine Forderungen und instrumentalisiert nicht für eigene Zwecke, mögen die Motive noch so edel sein. Echte Liebe fragt nicht danach, was sie zurückbekommt, sie gibt, ohne sich zu verausgaben, sie schenkt, ohne sich missbrauchen zu lassen, sie vergibt, ohne darum gebeten worden zu sein. „Sie ist langmütig und freundlich, sie eifert nicht, sie treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht, sie stellt sich nicht ungebärdig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit; sie verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles“. Diese Liebe hat nichts mehr mit „Eros“(sinnliche Liebe) zu tun, sondern vielmehr mit „Agape“ (göttliche Liebe). Eine Verbindung dieser beiden findet sich in der „Theologie des Leibes.“

Agape sollte aber nicht mit Anbiederung oder Unterwerfung verwechselt werden, da die dahinterstehende Motivation nicht Liebe sondern Angst ist. Die Medien sind momentan voll guter Ratschläge von Nächstenliebe bis Feindesliebe. Auch die ehemalige EKD Ratspräsidentin Margot Kässmann ruft auf, den Terroristen mit Liebe zu begegnen. Es mutet etwas sonderbar an, dass ausgerechnet sie von der hohen Tugend der Feindesliebe spricht, obschon sie selbst an der weniger anspruchsvollen Tugend ihrer ehelichen Liebe gescheitert ist. Allzu schnell wird aus Liebe ein netter Pazifismus konstruiert. Vielleicht aus Bequemlichkeit, um sich keiner Bewährungsprobe stellen zu müssen? Ein Test an einer italienischen Schule hat ergeben, dass 90 Prozent ohne zu zögern zum Islam konvertieren würden, um das eigene Leben zu retten. Aus Feindesliebe? Wie würden wohl Sie oder ich entscheiden?

 

Apropos

Ist ein Priester in der Lage über Liebe zu sprechen? Aber sicher!

Kann denn Liebe Sünde sein? Achtung Polemik pur in Wort und Bild, nur für Christen!

Wer sich für die „Theolgie des Leibes“ interessiert, findet in den Kommentaren immer wieder aktuelles dazu.

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