Auch „linke“ Christen können sich irren

Posted on 6. Dezember 2015

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Irgendetwas stimmt hier nicht. Nachdem halb Europa nach dem Mauerfall in die DDR reiste, um Ungläubige zu missionieren, waren meine Erwartungen doch etwas zu hoch geschraubt, auf der westlichen Seite Christen anzutreffen, die anderen leidgeprüften Christen aus dem Osten weit voraus waren.

Dem war aber nicht so, nein noch schlimmer, die westlichen Christen waren längst sozialisiert, leider von der „falschen“ Seite. Im Osten wusste man, wenn Christen mit Sozialisten sympathisierten, konnte man diese abschreiben, da diese unheimliche Allianz zwischen Christen und Atheisten nichts Gutes verheisst.

Und in der Tat, haben Christen in der Schweiz (und in Deutschland) wahrscheinlich deshalb so grosse Angst in Ungnade bei den Sozialdemokraten zu fallen, weil sie längst Teil dieser „community“ geworden sind. Ohne es zu merken, denken sie nicht mehr wie Christen sondern wie Sozialisten. So klingt das Thema „Frieden fördern“, denn ohne anhaltenden Frieden gibt es keine Entwicklung, Stabilität und soziale Gerechtigkeit wie aus dem Parteitagsprogramm der damaligen SED.

In den Zielen herrscht grösstenteils Einigkeit. Selbst Millenniumsziele der UNO wie Geschlechtergerechtigkeit, menschenwürdige Arbeit, nachhaltiger Konsum, friedliche Gesellschaft und Klimawandel stehen auf dem Programm. Den letzten Vogel zum Thema Klimawandel haben Prinz Charles und der US Aussenminister John Kerry mit der Aussage „Der Klimawandel sei eine Hauptursache des Terrors und des Kriegs in Syrien“ abgeschossen. Ob das Christen irgendwann auch so sehen? Die Vermutung liegt nahe, wenn man bedenkt, womit sich christliche Umweltschützer schon jetzt alles befassen.

Selbstverständlich ist die Linderung von Leid am Nächsten ein urchristlicher Auftrag, nur stellt sich die Frage, ob man sich da nicht für eine Ideologie vor den Karren hat spannen lassen? „Der Kommunismus hat uns die Schau gestohlen, die Flagge für die Armen hochzuhalten“ lautet das Fazit von Papst Franziskus und Christen watscheln hinterher ein anderes Fazit eines Unbekannten.

Nichts gegen die ehrenwerten Millennuimskampagne der UNO, nur hat man teilweise den Eindruck, als würden manche Freikirchen in ihrem Eifer allmählich mit der UNO fusionieren. Ohne es zu bemerken, haben sie sich zu Handlagern gemacht und „fühlen“ (Gefühle sind in diesen Kreisen sehr wichtig) sich dabei noch besonders gut. Die Katholiken sind da in der Regel etwas vorsichtiger und nicht ganz so kooperativ, obschon sie sich für den Dienst am Nächsten gleichfalls einsetzen, trifft sie von den Medien in regelmässigen Abständen ein Schrei des Entsetzens, wenn diese an „veralteten Vorstellungen“ festhalten. Man kann darüber denken wie man will, aber offensichtlich sind sie der einzige Stein des Anstosses in einer pluralistischen, narzisstischen Welt, in der jeder gut dastehen möchte. Da die reformierte Kirche der Schweiz auch darauf bedacht ist, ergeht es ihr ähnlich wie der „Glaubensgemeinschaft“ in Deutschland, die eigentlich gar keine Glaubensgemeinschaft mehr ist, sondern zu einer Greenpeace Kirche mit Handauflegen geworden ist.

Verabscheut wird von „linken Christen“ alles, was wie Blocher aussieht und nach SVP riecht. Man fällt regelrecht in eine Schockstarre, wenn dieser Name fällt. Schliesslich hatte er 1992 die Schweiz selbst in einen Schockzustand versetzt, als er den Beitritt zur EU durch eine Volksinitiative verhinderte. Daraufhin versuchten seine Gegner die Firma des Unternehmers zu zerstören, was ihnen aber nicht gelang. Vielleicht hielt ja Gott seine Hände über diesen Übeltäter?

Der Pfarrerssohn Blocher ist das glatte Gegenteil von der Pfarrerstochter Merkel, die sich in der DDR hat sozialisieren lassen und nun besonders in ihrer Flüchtlingspolitik von den Freikirchen gelobt und von „Linken“ wie eine Heilige verehrt wird. Warten wir es mal ab, wenn es schief läuft, werden die linken Jubler ihr ganz schnell den Rücken kehren. Auf die Solidarität linker Freunde würde ich mich mal lieber nicht verlassen. Diese Erfahrung durfte schon Erich Honecker mit seinen Genossen machen. Ihre Solidarität reichte am Ende gerade mal bis zur eigenen Haustür, die für Genosse Erich verschlossen blieb. „Asyl“ gewährte ihm daher ein Pfarrer, der wohl den Unterschied zwischen Solidarität und Nächstenliebe kannte.

Erst neulich unterhielt ich mich mit einem gestandenen Christen, der sein Unverständnis über den christlichen Nachwuchs zum Ausdruck brachte, weil sie nichts gegen die  SVP haben im Gegenteil. Ausserdem  scheinen denen die links-grünen Anliegen piepegal zu sein. Da waren die heute 40-70 jährigen Christen nun wirklich ganz anders. Sie fühlten sich der weltverbesserischen Birkenstock-Elite verbunden..

Paradox scheint, dass manch ein Christ einen sicheren Job mit annehmbarem Gehalt in der verpönten Privatwirtschaft alias „Blocher und Co“ einnimmt, obwohl sein Herz für den „frommen“ Sozialismus schlägt. Aus dieser Dynamik heraus entwickeln sich ganz sonderbare Konstellationen, da arbeiten beispielsweise Christen ganz bewusst nicht mit Christen zusammen. Im Gegenteil, wird ein Christ als Christ von einem „echten Linken“ ertappt, ist das Geschrei der anderen gross und lähmende Angst, die einer Hinrichtung gleicht, sitzt gewissermassen im Nacken. Das Gottvertrauen, von dem man sonntags immer so überzeugt ist, versinkt montags in den Keller. Ja nicht auffallen, am besten Undercover lautet die Devisen einiger Christen, die nicht so recht wissen, ob sie nun Fisch oder Vogel sind und deshalb lieber Mal abtauchen. Auch ein Pfarrer ist nicht sonderlich über den Zustand der westeuropäischen Christenheit erfreut. Parzany wandte sich gegen einen „latenten Feigheitstrend“ unter Christen.

Bei einer solchen Angsthasenkultur, die über Jahrzehnte gefördert wurde, ist das „linke Christentum“ ständig auf der Lauer. Man kann ja nie wissen, vielleicht ist man der Nächste, den es erwischt, wenn der Hahn zum dritten Mal kräht?

Der Marxismus aus dem die Sozialdemokraten hervorgegangen sind, ist eigentlich nichts weiter als eine schlechte Kopie des Christentums ohne Gott. Welchen vernünftigen Grund gibt es, sich mit einer atheistischen Ideologie zu verbünden, die früher oder später ihr wahres Gesicht zeigen wird? Oskar Freysinger, der gleich wie Blocher ein rotes Tuch für manche Christen ist, formuliert die utopischen Anliegen der SP treffend:

Ihre Ideologie ist ihnen wichtiger, als der elementarste Pragmatismus, ihre Toleranz ist Fassade, ihre Offenheit trug, ihre Gleichmacherei zeugt von ihrem Hass auf das menschliche, Hass den sie durch zur Schau gestellte „Solidarität“ zu verschleiern suchen“.

Viele Christen fallen darauf rein, weil die Ziele der sozialistischen Ideologie den ihrigen so ähnlich sind. Dabei besteht ein gravierender Unterschied:

„Der Unterschied zwischen der Transzendenz des Christentums und der des Utopismus und der Grund, warum man letztere eine perverse Transzendenz nennen darf, ist, dass das Christentum jeden Versuch, die Erlösung im Diesseits herbeizuführen und das Reich Gottes mit politischen Mitteln auf Erden zu errichten, von seinem Glaubensgrundlagen her als vergeblich und sogar als satanisch zurückweisen muss, während der Utopismus genau diesen Versuch erzwingt“.

Vielleicht benötigt es mehr denn je die Gabe der Unterscheidung, weil wir manchmal allzu schnell geneigt sind, die falschen Propheten für die richtigen zu halten. Und ein klitzeklein wenig mehr Mut würde uns Christen wahrscheinlich auch nicht schaden. Da wir alle fehlbare Menschen sind, unterliegen auch Christen oftmals grossen Irrtümern. Grösse zeigt, wer diese erkannt hat. „Ich habe mich geirrt“. Da hat uns der Gottvater der Erderwärmung wohl einiges voraus?

In diesem Sinn wünsche ich allen eine Adventszeit der Besinnung

 

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