Sie kotzen mich an Monsieur!

Posted on 25. Januar 2015

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Sie sind doch nicht etwa beleidigt? Dass war doch nur eine „gute Provokation“! Oder sollte ich lieber eine Karikatur zeichnen? Wen ich damit meine? Also, da möchte ich mich nicht festlegen, kommt darauf an. Auch der Chefredakteur des Tages Anzeigers hat da seine eigenen Gesetze. Einer, der die Veröffentlichung von Jesus –Karikaturen des Meisters der verletzenden Satire von Manfred Deix gelobt hatte, will nämlich die Mohammed-Karikaturen aus Charlie Hebdo nicht zeigen! Warum denn nicht! In den Augen des Chefredakteurs des Tages Anzeigers Res Strehle gibt es gute Provokationen, dazu zählen eben diese Jesus Bilder, weil sie etwas infrage stellen. Viele Leser hätten sich daran gestört, auch böse Post habe er erhalten. Morddrohungen, Briefbomben und Kalaschnikows, die ihm hätten Angst einjagen können, schienen auszubleiben.

Schön, so sollte es eigentlich auch sein. Angst und Schrecken zu verbreiten, ist ein untypischer Wesenszug des biblischen Gottes und damit auch eines Christen unwürdig. Ehrfurcht zu haben, heisst eben nicht in Angst zu verfallen, wie damals die alten Ägypter, die glaubten jeden Schritt kalkulieren zu müssen, um sich der Gunst von Osiris, Anubis, Horus und wie sie alle heissen, würdig zu erweisen.

Einen falschen Schritt zum jetzigen Zeitpunkt wollte wohl auch der Chefredakteur nicht machen, deshalb verzichtete er auf die Mohammed Karikaturen in seiner Zeitung, nicht etwa aus Angst, wie er betonen möchte, sondern aus „Rücksicht“ auf religionsspezifische Gebote“ und auf eine „breit geteilte Empfindlichkeit“. Dann muss es sich hierbei um eine „schlechte Provokation“ handeln? Möchte er stattdessen lieber wieder Jesus Karikaturen veröffentlichen? Mir war bis jetzt gar nicht bewusst, dass man zwischen guten und schlechten Provokationen unterscheiden kann? Dass muss an der Individualisierung unserer Gesellschaft liegen, wo jeder jeden Begriff ganz persönlich eben individuell (um)interpretiert und damit Verbindlichkeiten und Allgemeingültigkeiten ausser Kraft gesetzt werden.

Aber um solche Grundsatzfragen geht es im Moment nicht, ist doch ganz Europa in Alarmbereitschaft, auch hier, nicht etwa aus Angst, wer gibt schon als aufgeklärter säkularer Europäer gerne zu, dass er Ängsten ausgeliefert ist? Auch das Team des „Teufelhof“ Theaters Basel hat den Kabarettisten Andreas Thiel, der für glühende Köpfe nach seiner Streitschrift in der Weltwoche und seinem Auftritt bei Schawinski sorgte, vor die Tür gesetzt. Angst? Natürlich nicht! Die Veranstalter liessen verlauten: „Dieser Entscheid hat rein gar nichts mit der Angst um unsere oder die Sicherheit unserer Gäste zu tun“.

Dass nun ausgerechnet Himmler einen Vergleich zum Islam zog: „Der-Islam-ist-unserer-Weltanschauung-sehr-ähnlich“, brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr ist unerfreulich, sollte aber in einem Land in dem Meinungsfreiheit propagiert wird und sogar extra Politiker nach Paris reisten, diskutiert werden dürfen. Hatte es doch zu jener Zeit Menschen gegeben, die sich vor dem „Gott Hitler“ samt seinem faschistischen SS Regime fürchteten.

Natürlich macht nicht eine institutionelle Religionszugehörigkeit automatisch einen Christen zum Christen oder einen Muslim zum Muslim. Oder wie wäre es sonst in christlichen Nationen möglich, unschuldige Kinder wie bei den Heiden zu töten, und daraus gar ein Menschenrecht machen zu wollen? Deshalb Achtung, nicht überall wo christlich draufsteht, ist auch christlich drin! Nein, besonders rühmlich war die christlich europäische Geschichte auch zu Zeiten des Sklavenhandels nicht, man machte sich zwar die Hände nicht wirklich schmutzig aber die Verlockung nach Macht und Reichtum, liess den alten Adam immer wieder erwachen. Da war sie wieder, die Bestie im Menschen, ein Schlachtfeld im Ringen um Gut und Böse. So wie es manche von uns tagtäglich erleben. Christen sind sich dessen bewusst, deshalb beten sie auch das „Vater unser“.

Kommunisten hatten es viel schwerer, da sie immer bemüht waren, eine christliche Ersatzreligion ohne Gott zu schaffen, waren sie dem Bösen ausgeliefert. Einmal an der Macht entschieden sich diese immer für das Böse und verbreiteten Angst und Schrecken. Stalin und Mao haben mehr Menschen auf dem Gewissen, als die immer gerne herangezogenen Kreuzzüge. Historisch gesehen gibt es da noch ein paar kleine Anmerkungen, die uns gerne verschwiegen werden:

„Was vielen Menschen aber nicht bekannt ist, ist die Tatsache, dass es erst zu den Kreuzzügen kam, nachdem die Muslime fast 500 Jahre lang (genau 464 Jahre lang, von 635 bis 1099 n.Chr., (1099 = Beginn des ersten Kreuzzuges)) christliche Länder überfallen, sie beraubt, terrorisiert und ausgeplündert haben. Dabei wurden sehr viele Christen ermordet, ihre Frauen vergewaltigt oder zusammen mit den Kindern in die Sklaverei verkauft. Christliche Kirchen wurden zerstört, die Häuser der Christen niedergebrannt und die Christen vor die Wahl gestellt, sich entweder zum Islam zu bekennen oder von den Muslimen getötet zu werden“.

Hier soll weder aufgerechnet noch „gerichtet“ werden. Dafür haben wir alle selbst genug Dreck am Stecken.
Nichtsdestotrotz würde ich nicht mit Begeisterung unter muslimischer Herrschaft leben wollen, wüsste aber auch nicht, wie es mir ergangen wäre, wenn Saulus nicht zu Paulus geworden wäre?

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