NZZ Erpresser

Posted on 5. Januar 2015

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Sie schreckten auf, wie von einer Tarantel gestochen als der Name Markus Somm fiel. Somm der Chefredakteur der Basler Zeitung (BaZ) hat aus dem ehemaligen Basler Mainstream Blatt eine Zeitung vielfältiger Meinungen geschaffen. Schon damals hiess es, böse Kommentare, Abonnenten-Verluste und Demos gegen den neuen BaZ Kurs auszuhalten. Aushalten und gegen den Strom schwimmen ist wohl eine Tugend, die nur wenigen Menschen beschert ist und hie und da sogar mit Charakterstärke einhergeht. Auf lange Sicht zahlt sich dies aus, weil Monotonie und Gleichschaltung einer Überflussgesellschaft, besonders in der Medienlandschaft, einem Selbstmord auf Raten gleicht.

Der Verwaltungsrat der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) war sich also einig, das Basler Experiment auszudehnen und dem gebeutelten Züricher Blatt frischen Wind zu verleihen. Mit Kapitän Markus Somm sollten die Segel neu gehisst werden. Nur war die Belegschaft der tendenziell linksfreisinnigen Qualitätsjournalisten damit nicht einverstanden und meuterte, weil Somm einer „falschen“ Gesinnung anhängt. „Wir, 163 Mitglieder der NZZ-Redaktion, nehmen mit grösster Besorgnis zur Kenntnis, dass der Verwaltungsrat der NZZ-Mediengruppe mit Markus Somm Gespräche über die Nachfolge von Markus Spillmann geführt hat“.  Wie Kleinkarierte verübeln  die NZZ Götter dem liberal, rechts der Mitte stehenden Chefredakteur Somm die freundschaftliche Nähe zu Blocher (SVP). Etwas Schlimmeres gibt es für sie nicht, lieber würde man sich verhasste spiessige Gartenzwerge in den Vorgarten stellen, als über andere Meinungen nachzudenken oder diesen gar ein Fünkchen Wahrheit, ausserhalb des stillen Kämmerchen, abzugewinnen? Stellten sich deshalb die Redakteure der NZZ wie trotzige Kinder auf die Hinterbeine? Nun, ist es nicht neu, dass sich Schwache gerne zusammenrotten, um ja keine Brillanz, besonders aus dem anderen Lager aufkommen zu lassen, da beschränkt man sich doch lieber aufs Mittelmass. Um drohende Gefahr abzuwenden wird intrigiert und sabotiert bis Wankelmütige wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.
Der Verwaltungsrat der NZZ kippte und Somm zog sich zurück.

Eine pragmatische Mutter hätte das Problem anders gelöst. Erpressungsversuche ihrer Kinder würde sie ruhig begegnen und ihren Kindern anbieten, sich andere Fleischtöpfe zu suchen, wenn diese für Unmut sorgten. Im Wissen, dass die Meuterei im Nullkommanichts vom Tisch wäre, weil die Opportunitätskosten viel zu hoch sind.
Diese Chance hat der Verwaltungsrat der NZZ verpasst. Oder glaubten sie tatsächlich, die Redakteure der angesehenen Neuen Züricher Zeitung wären freiwillig gegangen, hätten aller Eitelkeit zum Trotz ihre Ansprüche als „Qualitätsjournalisten“ zurückgeschraubt und zukünftig für ein nichtssagendes regionales Wurstblatt geschrieben?

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