„Mein Körper gehört mir“

Posted on 15. Oktober 2011

3


Ich glaube, allen (den meisten) Eltern liegt der Schutz ihrer Kinder vor Missbrauch und dem damit verbundenen selbstbewussten NEIN sagen können ihrer Kinder am Herzen. Nur welche Art der Sexualerziehung sie für geeignet erachten und was sie unter gesunder Entwicklung und Prävention von sexueller Gewalt verstehen, deckt sich nicht immer mit den Ansätzen der „Fachleute“. Der Ausstellung „Mein Körper gehört mir“, die Kindern der 2.- 4. Klasse in Basel zugänglich gemacht werden soll, liegt die Broschüre „Sexualerziehung bei Kleinkindern und Prävention von sexueller Gewalt“ zugrunde.

Diese Art des Kinderschutzes widerspricht (teilweise) meiner Logik, aber vielleicht stimmt etwas mit meiner Logik nicht?

Sexualerziehung bei Kleinkindern - Stiftung Kinderschutz Schweiz

Sexualerziehung bei Kleinkindern – Stiftung Kinderschutz Schweiz

Auf der einen Seite vermittelt die Broschüre, dass alles  individuellen Entwicklungsprozessen unterliegt, dass manche Kinder sich für sexuelle Themen interessieren, andere nicht. Aber irgendwie gewinnt man (ich) den permanenten Eindruck, als sei doch etwas mit den Klein-Kindern nicht ganz in Ordnung, die  sich  von „sexueller“ Sinnlichkeit nicht angezogen fühlen. Nicht zuletzt hat  die fachkundliche Thematisierung dazu geführt, dass der natürliche und intuitive Zugang zum Kind, besonders für Väter, leider zu einer Gradwanderung geworden ist.

Die Broschüre empfiehlt an verschiedenen Stellen, das Spielen der Kinder an ihren Genitalien zu unterstützen. Das Verschaffen von Lust und schönen Gefühlen soll gefördert werden und dies möglichst schon auf dem Wickeltisch.

  • Mein Kommentar: Geborgenheit und Zärtlichkeit sind lebenswichtig. Ja! Aber, sind Kinder, die schon ab Babyalter in ihrem „sexuellen“ Lustempfinden dermassen stimuliert werden, nicht eher gefährdet? „Antrainierte“ lustvolle Gefühle sind ihnen nicht fremd sondern vertraut und laden zu Wiederholungen ein, vielleicht sogar mit Erwachsenen. Bruno Wermuth meint dazu. „Entdeckt ein Kind, dass ihm eine Berührung Lust verschafft, wird es sie wiederholen. Die von der Broschüre erwähnten Überredungskünste der Täter wie: “ … dass es das doch gern habe und auch schön finde“, wird es vielleicht mit JA beantworten, was den Zugang der Täter zu den Kindern erleichtern würde.

Die Broschüre möchte ermutigen, die sexuelle Entwicklung von Kindern gezielt zu begleiten. Auch Erwachsene sollen sich ganz diesem intimen Vergnügen ihrer Kinder widmen und sie liebevoll motivieren, auf (sexuelle) Bedürfnisse zu reagieren und einzugehen. Ja nichts abzuklemmen, weil dies für ein gesundes Körpergefühl und das Selbstbewusstsein unabdingbar sei.

  • Mein Kommentar: Werden Erwachsene, die in den Prozess des fröhlichen Miterkundens der kindlichen Sexualität eingebunden sind und bis anhin keine Probleme und pädophilen Neigungen an sich entdeckt hatten, vielleicht dann vermehrt welche an sich entdecken, weil sie in verfängliche Situationen geraten? Erkannt haben die Autoren der Broschüre dieses Problem schon und stehen deshalb (verführten) Erwachsenen, die in sexuelle Erregung geraten, netterweise gleich mit Hilfeangeboten zur Seite. „Sollten Sie feststellen, dass tatsächlich Ihre eigenen sexuellen Wünsche und Bedürfnisse die Motivation für Ihr Handeln sind, sollten Sie unbedingt fachliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Adressen von Fachstellen finden Sie im Anhang.“ Also, wenn ich die Broschüre richtig verstehe, werden Erwachsenen erst dazu angeregt, und wenn dann die Motivation nicht mehr stimmt, können sie sich dann als potenziell gefährdeter „Kinderschänder“gleich selbst registrieren lassen? Mal abgesehen davon, welcher „falsch motivierte“ Erwachsene – bereits gebeutelt von Scham, Versagen und Angst als potentieller Pädophiler zu gelten – ruft dann auch noch freiwillig die vom Kinderschutz Schweiz empfohlenen Fachstellen an? Wie viele werden so genau zu dem gemacht, was eigentlich vermieden werden wollte? Letztlich angestiftet durch die sexualpädagogische Fachliteratur. Warum verführt man Erwachsene, insbesonders männliche Erwachsene, dazu, sich  diesen potentiellen Gefahren auszusetzen?

Broschüre: Durch die Förderung eines positiven Körperbewusstseins ermöglichen wir es den Mädchen und Jungen, sich als einzigartig  und wertvoll zu erleben und auf den eignen Körper stolz zu sein. Dies ist die Grundlage für die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins. Und dieses gesunde Selbstbewusstsein verhindert Missbrauch.

  • Mein Kommentar: Beim heutigen Blick auf die Strasse habe ich nicht den Eindruck, dass junge Menschen ein verklemmtes und ungesundes Körpergefühl entwickelt haben, welches sie voller Scham zu verbergen versuchen. Trotzdem (oder gerade deswegen?) ist der Missbrauch gestiegen! Neuere Forschungsergebnisse der Schweiz fehlen, vergleichbare Studien aus anderen europäischen Ländern und den USA zeigen einen Anstieg. Eine aktuelle Studie in Deutschland zeigt wiederum einen Rückgang (was erfreulich ist), diese wird aber von Opfervertreter  Norbert Denef angezweifelt. Die Fragen, kann man nun Statistiken trauen oder nicht, werden Ergebnisse manipuliert oder nicht,  ist Erfolgsdruck mit entscheidend oder nicht usw. werden wohl unbeantwortet bleiben.

Broschüre: Ausserdem sollten Eltern die Körpergrenzen ihrer Kinder respektieren, da  Kinder, die ohne Respektgrenzen aufwachsen, leichter zu Opfern werden, weil sie sich bei Übergriffen wahrscheinlich nicht zur Wehr setzen.

  • Mein Kommentar: Also, wenn man schon hierbei nicht sicher ist und mit Wahrscheinlichkeiten operiert, handelt es sich gar bei der gesamten Broschüre nur um Wahrscheinlichkeiten und Eventualitäten? Fakten sind mir nämlich kaum ersichtlich, dafür umso mehr Meinungen. So kann man nur hoffen, dass sich all‘ diese Wahrscheinlichkeiten von heute nicht als Irrtümlichkeiten von morgen herausstellen.

Broschüre: Zu den Meinungen zählt des weiteren eine lustvolle und experimentierfreudige Sexualerziehung, die beispielsweise Doktorspiele unbedingt erlaubt. So erfährt das Kind den Zusammenhang zwischen Zärtlichkeit, Zuneigung, Lust und Lebensfreude …

  • Mein Kommentar: Wird hier nicht etwa suggeriert, als sei diese Art der experimentierfreudigen Sexualerziehung das einzig Wahre und Richtige, quasi die Quelle der Lebensfreude. Aber Meinungen können eben wie Fakten getarnt sein. Man darf nicht vergessen, dass die heutige Sexualerziehung auf sehr zweifelhaften Grundlagen beruht. Die Reformpädagogik der 70er und 80er Jahre und die damit verbundene Sexualerziehung ist noch immer tonangebend und leider sehr weit von Lebensfreude entfernt, wenn man die Opfer der damaligen „Vorzeigepädagogen“ befragt. (vgl. Prof.Jürgen Oelkers)

Broschüre: Die Motivation der Kinder, ihre Körper gegenseitig zu untersuchen, entsteht meist aus kindlicher Neugier. Aber auch der individuelle Lustgewinn und sexuelle Erregung können dabei bereits eine Rolle spielen.

  • Mein Kommentar: Könnte es sein, dass zu früher Umgang mit Sexualität der Entwicklung schadet? Selbst Freud warnt in diesem Zusammenhang. Er sagt, dass man die Latenz nicht verfrüht „wecken“ darf, weil es sonst zu negativen Verhaltensstörungen führt (nicht im Bereich der Sexualität, sondern im allgemeinen Verhalten). Und siehe da, was das Strafrecht gemäss Broschüre dazu zu sagen hat: Demnach können auch sexuelle Beziehungen zwischen zwei Jugendlichen, auch wenn sie beidseitig gewünscht sind, strafbar sein. Grund dafür ist die Gefahr, dass Kinder unter 16 Jahren sexuellen Erfahrungen ausgesetzt werden, die sich möglicherweise negativ auf ihre Entwicklung auswirken. Seltsamerweise geht man aber in der Broschüre bei den gegenseitigen sexuellen Entdeckungsreisen der Kinder immer davon aus, dass diese sich positiv auf die kindliche Entwicklung auswirkt. Irgendwie scheint es hier Widersprüche bezüglich möglicher Entwicklungen zu geben – kann es tatsächlich sein, dass die jugendliche Entwicklung gefährdeter ist als die kindliche?

Broschüre: „Vielleicht beginnt Ihr Kind erst jetzt zu entdecken, allenfalls gar mit der Hilfe eines anderen Kindes, dass es sich selbst durch das Berühren der Geschlechtsorgane angenehme Gefühle verschaffen kann.“

  • Mein Kommentar: Werden Kinder hier vielleicht gezielt auf sexuellen Lustgewinn eingespurt? Aber Achtung: Kinder machen sich ab dem 10. Lebensjahr strafbar, wenn sie sexuelle Handlungen mit einem mindestens drei Jahre jüngeren Mädchen oder Jungen vornehmen. Nach der Stimulationswelle der Kleinsten durch Eltern, Erzieher, Kindergarten und Schule werden die heutigen Einzelfälle der sexuellen Übergriffe in absehbarer Zeit viele Kinder betreffen. Ob dann der nötige Respekt der Kindertäter vor einem NEIN der Opfer greift, steht wahrscheinlich in den Sternen. Und hier ausnahmsweise mal Fakten aus der Broschüre: Die Zahl der Verurteilungen Minderjähriger wegen sexueller Handlungen mit Kindern und sexuelle Nötigung im Laufe der letzten zehn Jahre hat sich verdoppelt!

Broschüre: Früher ging man davon aus, dass menschliche Sexualität von einem Trieb gesteuert wird, ….heute wird Sexualität als Lebensenergie verstanden.

  • Mein Kommentar: So neu ist das mit der Lebensenergie nun auch wieder nicht. Aber wahrscheinlich kennen die Autoren der Broschüre Joseph Unwin nicht oder  wollen vielmehr Joseph Unwin lieber nicht kennen! Da gibt es zur Abwechslung wenigstens mal breit abgestützte und repräsentative empirische Forschung, davon können manch heutige Sexualpädagogen nur träumen.

Broschüre: „Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist nicht das Vorhandensein, sondern wäre das Fehlen von sexuellen Spielereien im Kindesalter ein schlechtes Zeichen.“

  • Mein Kommentar: Ist man jetzt eben mal genau anderer Meinung, und versetzt Eltern in höchste Alarmbereitschaft, wenn derartige Spielereien bei ihren Kindern ausbleiben? Oder suggeriert man den Eltern gar, dass etwas mit ihren Kindern nicht stimmt? „Zum Glück“ empfiehlt die Stiftung Kinderschutz Schweiz  Kinderbücher, die sich eignen, um diesen schlechten Zeichen vorzubeugen … zum Beispiel:

„Mein erstes Aufklärungsbuch“

Lisa und Jan  von Herrath und Sielert

  • Mein Kommentar: Ein Buch, das Kindern illustrierte Anleitungen zur Selbstbefriedigung erteilt.

Broschüre: Wer sein Kind liebt, sollte es vielmehr in dem unterstützen, was es von sich aus tut oder tun möchte.(sexuelle Orientierung)

  • Mein Kommentar: Handfeste Manipulation. Wer nicht so denkt, liebt sein Kind nicht. Perfid, ausgerechnet unsicheren Eltern gegenüber mit „Liebe“ zu argumentieren! Aber wahrscheinlich bin ich wirklich altmodisch, denn ich war immer der Meinung, dass derjenige sein Kind liebt, der es  erzieht, so dass es lernt das Gute und Nützliche zu wählen und sich nicht von vordergründigen Energien abhängig zu machen. Oder wie sehen Sie das bei der Erziehung zur Hygiene? Oder zur Ordnung im Kinderzimmer? Oder zur Auswahl des Znüni.  Offensichtlich ist die Ernährungsmoral der Experten heute viel rigider als die Sexualmoral.

Noch ein Faktum: Die frühere Broschüre „Körper, Liebe, Doktorspiele“ musste von der selben „Stiftung Kinderschutz Schweiz“ wegen Protesten wieder zurückgezogen werden, die Anleitungen führten wohl doch etwas zu weit.

Dafür konnte die Ausstellung „Mein Körper gehört mir“
für die 2. – 4. Klasse
von der „Stiftung Kinderschutz Schweiz“
nun erfolgreich platziert werden.

In der Begleitbroschüre dazu und im Fazit der Broschüre zur Prävention von sexueller Gewalt an Kindern heisst es:

Ein gutes Körperbewusstsein und eine altersgemässe Sexualaufklärung sind die Grundlage für die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins und wichtige Aspekte der Prävention. Kinder sollen sich die Fähigkeiten aneignen, Gewalt als Unrecht zu erkennen und über erfahrene Gewalt zu sprechen. Damit dies gelingt, brauchen sie eine Sprache für die eigenen Körperteile und für Gefühle. Diese Sprache zu entwickeln ist Aufgabe der Sexualaufklärung.

  • Mein Kommentar: Prävention ohne Sexualaufklärung ist laut Experten nicht möglich und somit beginnt die Sexualaufklärung mit der Ausstellung „Mein Körper gehört mit“. Pierre Felder Leiter der Volksschulen Basel-Stadt sagt aber im Migros-Magazin vom 10.Oktober, „Der Aufklärungsunterricht beginnt frühestens in der 5. Klasse beginnen.“

Ich sags ja: irgend etwas stimmt mit meiner Logik nicht.

Advertisements
Posted in: Sexualerziehung