Antwort an Beat W. Zemp

Veröffentlicht am 13. September 2011

2


Sehr geehrter Herr Zemp

Für Ihre Antwort danke ich Ihnen.

Leider scheint Ihre Zeit sehr knapp bemessen zu sein, so dass es Ihnen nicht möglich war, auf alle meine Fragen einzugehen. Es freut mich aber, dass Sie mir bestätigen, dass wir in drei Forderungen ein gemeinsames Anliegen vertreten:

3. Keine Anregungen für Sexspiele und Sexualpraktiken im Sexualkunde-Unterricht

4. Keine Pornographie im Sexualkunde-Unterricht

5. Keine Beeinflussung der sexuellen Orientierung im Sexualkunde-Unterricht.

Zu Ihren Differenzen aus Punkt 1 und 2 möchte ich wie folgt Stellung nehmen:

1. Bildungsdirektoren haben wieder die volle Verantwortung für Entwicklung und Gestaltung des Sexualkunde-Unterrichts an der Volksschule zu übernehmen.

Mir ist aus der Forderung 1 keinerlei Tendenz zu einer Verschwörung ersichtlich, sondern gerade im Gegenteil – es geht um die Schaffung von Transparent und um die Klärung der Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung.

Wie auch dem Grundlagenpapier zu entnehmen ist, handelt es sich bei der geplanten Sexualerziehung nicht um die Vermittlung eines rein biologischen oder medizinischen Fachwissens, sondern es soll auch eine ” Vermittlung des gesellschaftlichen Normen- und Wertegefüges” geleistet werden. Es handelt sich dabei um den Ausdruck einer Werthaltung von nachhaltig prägender Relevanz, die auf Vermittlung von Werten und Kultur basiert, dies sollte deshalb in Verantwortung einer Führungspersönlichkeit mit demokratisch abgestütztem politischen Mandat liegen. So wie jeder erwachsene Mensch für sein Tun und Handeln zur Verantwortung und nicht nur zur “Mitverantwortung” gezogen wird (vgl. Artikel von Weber), dürfen sich Erziehungspolitiker nicht hinter Fachleuten anderer Disziplinen verstecken. Wie wäre sonst der Vorbildcharakter für die jüngere Generation erkennbar, die wir ja gerade zu Verantwortungsbewusstsein erziehen wollen? Denn auf diese Wette lasse ich mich mit Ihnen ein: Wenn dereinst unsere Grosskinder uns zur Rede stellen werden: Warum habt Ihr das zugelassen? Dann wird die heutige Politikergeneration die erste sein, die sich herausreden wird, auf den Rat der Fachämter in der Verwaltung und der Experten gehört zu haben.

Als Mutter trage ich aber Verantwortung – für die Erziehung meiner Kinder. Und diese ist primär durch Werte und Vertrauenswürdigkeit geprägt. Hingegen darf und sollte die Vermittlung von fachlicher Bildung durch Fachleute geprägt werden. Wobei mir durchaus bekannt ist, dass manche Experten (Prof. Dr. Uwe Sielert “Sexuelle Bildung von Anfang an”) in der Zwischenzeit, Sexualerziehung als “Bildung” verstanden haben wollen, um ihr wohl den Status der staatlichen und fachlichen Verantwortlichkeit zu verleihen und so den Eltern zu entziehen.

2. Kein Obligatorium für Sexualkunde-Unterricht (dies war bis jetzt so)

In der Vergangenheit war es keinerlei Problem, dass die Lehrpersonen dieses Thema am Elternabend aufgegriffen haben und dass Eltern aus einem religiösen, konservativen oder sonstigen sensiblen Umfeld ohne viel Aufhebens ihr Kind dispensieren konnten.

Die Einführung eines Obligatoriums, das weder den Eltern vorgelegt wurde noch in transparenter Weise von Erziehungsdirektoren oder Erziehungsräten oder Schulpflege oder Parlamenten debattiert wurde, also über die Köpfe der betroffenen Eltern und der politischen Öffentlichkeit hinweg eingeschleust wurde, entbehrt aus meiner Sicht jeglicher Fairness im Umgang mit den demokratischen Spielregeln unseres Landes und jeglicher Achtung im Umgang mit uns Eltern.

Mit solchem Vorgehen wird Misstrauen zwischen Eltern und Lehrpersonen geschaffen, solches Misstrauen ist kontraproduktiv und schadet unseren Kindern. Ausserdem greift das in der Bundesverfassung Artikel 10 verbriefte Recht auf persönliche Freiheit, insbesondere auf körperliche und geistige Unversehrtheit, genau diese Fragestellung auf, dass Kinder sich eben nicht zwangsweise mit staatlich verordneter Sexualerziehung auseinander setzen zu müssen.

Die von Ihnen im Raum stehende Unterstellung, dass das Petitionskomitee eine Verschwörungstheorie aufbausche und verbreite, lässt sich denkbar einfach entkräften:

Indem Vertretungen von wertekonservativen Eltern in angemessener Zahl Einsitz in den Beirat des Kompetenzzentrums nehmen, um konstruktiv und verantwortungsbewusst mitzuwirken. Ich behaupte, dass gerade aus diesen Familien die höchste Kinderrate zu verzeichnen ist und somit die Betroffenen und deren Erfahrungsreichtum einzubeziehen sind.

Ebenfalls sollten Wissenschaftler in den Beirat berufen werden, die im Sinne einer ausgewogenen Qualitätssicherung die Thesen des Kompetenzzentrums differenziert diskutieren können und wollen. Von Ausgewogenheit eines Beirates kann doch nur die Rede sein, wenn sich darin verschiedene, kontrovers diskutierende Interessensvertreter einfinden, die ich beim Blick in den jetzigen Beirat gänzlich vermisse.

Mit freundlichen Grüssen

Ulrike Walker

 

Veröffentlicht unter:sexbox