Doktorspiele und der neueste Stand der Konfusion um die Sex Box

Veröffentlicht am 24. Juni 2011

0


Warum ich vor lauter Boxen den richtigen Koffer nicht mehr sehe

Der basel-städtische Leitfaden zur Sexualerziehung wurde unter anderem auch  erstellt, um zu Vereinfachen und eine Standardisierung zu schaffen und so vor Willkür der Lehrpersonen zu schützen. Auch sieht der  Lehrplan  Sexualpädagogik, der schon seit 1999 existiert,  eine  altersgerechte Staffelung vor.

Merkwürdig ist, dass wir uns nun in Basel-Stadt vom Ziel der Vereinfachung hinwegbewegen, denn in der Diskussion ist nun peinlichst darauf zu achten, ob wir von der Sex Box sprechen (für die 10 bis 13 jährigen Kinder) oder vom Sexkoffer (für die 5 bis 10 Jährigen Kinder). Wobei es nur einen Sexkoffer gibt, gleichzeitig aber der Unterricht zwischen Kindergarten und Primarschule unbedingt altersgerecht unterschieden werden soll. Wobei es in Basel schon bald keinen Kindergarten mehr geben wird, sondern nur noch eine Primar Unterstufe und eine Primar Oberstufe. Kommen Sie noch” draus”? Ich bin mir nicht mehr sicher, und besonders bin ich mir nicht mehr sicher, ob die Behörden und die Lehrpersonen selbst noch” drauskommen”. Aber was masse ich mir als “dumme” Mutter eigentlich an, schliesslich handelt es sich ja hier um professionelle Lehrkräfte, die an meiner Stelle als amateurhafte Mutter nun die Sexualaufklärung direktiv von den Behörden befohlen übernehmen werden.

Was mir zum Beispiel nicht ganz verständlich ist, warum im Sexkoffer eine gemeinsame Buchliste für Kindergärten und Primarschulen  existiert, auf dieser Liste aber gar nicht ersichtlich ist, welches Buch denn nun für welches Alter geeignet ist. Auch beim Griff zu den Büchern wollen diese Altersempfehlungen sorgfältig gesucht werden. Geht es nun darum, dass aus diesem nicht altersgemäss eindeutig gekennzeichneten Sammelsurium nun die Lehrpersonen  je nach Stand der eigenen Bedürfnisse und der  Kinder eigenmächtig und willkürlich die  Bücher herauspicken können?  Legt man denn nun Wert auf den oft beteuerten altersgerechten Umgang mit dem Thema oder nicht? Da man  uns betroffenen  Eltern  ja die altersgerechte Sexualerziehung unserer eigenen Kinder nicht so ganz zutraut, beweisen uns jetzt die „professionellen“ Hände, wie es richtig funktioniert.

Wegbereitend in den ganzen Plänen um die Sexualerziehung war sicherlich auch der bekannte Soziologe Rüdiger Lautmann:  „Was den Kindern bislang fehle, sei die systematische Vermittlung sexuell bedeutsamer Symboliken.  Im Familienkreis liege vieles noch im Argen. Geschähe die Vermittlung erst einmal gezielt und planvoll durch wissende Experten, dann würde der Tabucharakter, der noch immer auf der Sexualität von Erwachsenen und Kindern laste,  verschwinden. Zugleich würden die Unterschiede zwischen den Generationen fallen.“

Jedenfalls vermitteln diese im Sexkoffer ausgewählten  Bücher einen kleinen  Einblick in diese von Herrn Lautmann kritisierten Tabus.

3 davon liegen gerade vor mir – wohl gemerkt nicht aus der Sexbox für die Teenager sondern aus dem Sexkoffer für die Kindergärten. Oder etwa doch aus dem für die Schulen?

Titel 1: „Wir können was, was ihr nicht könnt! Ein Bilderbuch über Zärtlichkeit und Doktorspiele“ (4 – 6 Jahre)

Eigentlich ein herziges Bilderbuch, lädt aber auch  dazu  ein, vielleicht nicht nur  unverfängliche Doktorspiele zu spielen. Wobei “unverfänglich sollen sie laut einiger deutschen Experten wohl auch nicht sein. Ein von der Fachtagung”Frühkindliche Sexualerziehung in der Kita” in Hamburg 2005,“sehr empfehlenswertes” Buch “Lieben-Kuscheln-Schmusen” von Beate Martin (pro Familia Münster) zeigt dies deutlich. Das Buch wird als Ratgeber für frühkindliche Sexualerziehung in  Kindertagesstätten angepriesen. So besteht zum Beispiel ein Spiel darin: Kinder nackt auszuziehen, in eine Reihe gebückt aufzustellen und die Oberkörper  der Kinder komplett mit Bettlaken abzudecken. Je ein Kind muss nun durch Begutachtung von “Po”, “Pimmel” oder “Vagina” seine Spielkameraden namentlich erkennen. (Quelle:  kinderohnerechte “Frühkindliche Sexualerziehung” S. 13) Ist die Schweiz nun auch schon bald soweit? Da das Kompetenzzentrum mit dem Institut für Sexualpädagogik Dortmund (ISP) und damit auch mit besagter Co-Buchautorin Beate Martin “verbandelt” ist, lässt sich wohl eine Einflussnahme nicht ausschliessen. Die Diplompädagogin ist Mitarbeiterin und Ausbilderin im Institut für Sexualerziehung Dortmund (ISP).

Der Artikel des in Basel stadtbekannten und beliebten Journalisten minu „Doktorspiele“,  zeigt, dass solche Erfahrungen nicht so schnell in Vergessenheit geraten.  Auch für den  von minu zu Rate gezogenen Experten, war das damals natürlich  kein Problem  und völlig normal. Aber, das  wissen wir ja inzwischen. Vielleicht liegt das ja daran, dass Experten keine Probleme mehr sehen, sondern nur noch Lösungen?

Merkwürdigerweise  hatten meine vier Kinder, mittlerweile im Alter von 16,11, 8 und 6 Jahren, bis jetzt  noch nie  das Bedürfnis (trotz Vorhandenseins zweier Doktorkoffer!)  „Doktorspiele“ zu spielen. Wollen denn nun die Kindergärten und Schulen meinen Kindern etwas nachhelfen, ihren scheinbaren Verklemmungen Abhilfe zu schaffen, um  ihnen ähnliche Erfahrungen nicht vorzuenthalten, wie sie minu selbst schildert?

Da ich als Mutter also aus Sicht der Behörden angeblich über zu wenig Sachkompetenz verfüge, so dass man mir meine Zuständigkeit entzieht und sie den Lehrpersonen übergibt, befrage man am besten die Experten vom  Kompetenzzentrum Sexualpädagogik amorix .  Diese waren nämlich  massgeblich an der neuen Aufklärungskampagne an Kindergärten und Schulen beteiligt und arbeiten mit dem Institut für Sexualpädagogik Dortmund (ISP) zusammen, indem oben erwähnte Mitautorin und Diplompädagogin Beate Martin des Buches “Lieben-Kuschel-Schmusen” Mitarbeiterin und Ausbilderin ist.

Diese sexualpädagogischen Experten empfehlen folgende Themen und Inhalte, die für die Basisstufe aktuell sind: (Kindergarten und jünger):

  • Doktorspiel
  • Lustvolle Selbsterkundung
  • Rollenspiele: Familie, Heiraten, Küssen, ev. Geschlechtsverkehr
  • Innige Freundschaften

Welche Aufgaben haben aus Sicht des Kompetenzzentrums nun die Lehrpersonen: „Sexualerziehung im Kindergarten ist vorrangig als kontinuierliche Erziehungshaltung, die sich in alltäglichen Situationen niederschlägt, zu verstehen.“

Als Mutter verstehe ich das als 2jährige sukzessive Beeinflussung meiner Kinder im Kindergarten durch die Lehrpersonen. Hier bin ich aber entschieden der Meinung, dass dies eine Grenzüberschreitung der Behörden ist!

Ich glaube, ich nehme mir ein Vorbild an minu‘s Mutter und sage meinen Kindern, dass der Umgang mit  ”Experten” nichts für sie sei!

Doch nun zu Titel 2: „Wie ist das mit der Liebe?“ (9 – 11 Jahre)

In diesem Buch, das der mittlerweile zum neuen Basler Kantonsarzt beförderte Dr. Thomas Steffen  in der TeleBasel-Sendung vom 23. Mai 2011   im “Kindergarten – Sex – Koffer” vorliegen hat, lese ich beispielsweise, :

  • “Das ist völlig normal. Kinder machen es und Grosse auch.“ (Streicheln an den Geschlechtsteilen)
  • „Weil es (noch immer) Leute gibt, die das stört, lässt man es besser, wenn andere dabei sind. Du kannst es tun, wenn du allein in deinem Zimmer bist, im Bett …“

Da der Vorsteher des Erziehungsdepartements Basel-Stadt an anderer Stelle die zentrale und wichtige Rolle des  Elternhauses betont, wird es aber  etwas schwierig, wenn nun ausgerechnet aus Expertensicht diese Eltern zu den Leuten gehören, die „es“ stört. Wem sollen die Kinder denn nun glauben, wenn die Werte der pädagogischen Experten und des Elternhauses in  der Sexualmoral dermassen auseinanderdriften? Zumal die Sache noch einen Haken hat.

Der selbstbewusste Umgang mit dem eigenen Körper trägt zum Schutz vor sexueller Ausbeutung und Gewalt bei – so der  Departementsvorsteher. Dies ist wahr, wenn aber bei eingeweihten Kindern dieses Verlangen von früh an stimuliert wird, werden sie doch auch nicht mehr sexuell ausgebeutet und Gewalt muss man ihnen auch nicht mehr antun, oder?

Zumal die Handreichung für den Kindergarten und die 1./2.Klasse des Kantons Basel – Stadt als Lernziele vorschreibt:

  • Mädchen und Buben erkennen, dass Berührungen an Körperstellen lustvoll sein können und kennen deren pivate Dimension

Schauen wir uns nun Titel 3 an: „Ein Kind entsteht“ (ohne Altersempfehlung)

Ein „schönes“ und weit herum bekanntes Buch  für (Erwachsene?), in der politischen Diskussion um die Fristenregelung und Abtreibung häufig verwendet, mit expliziten Fotos einer Geburt.

Und gerade diese expliziten Geburtsfotos stellen sogar für mich als vierfache Mutter eine Herausforderung dar. Doch wie sollen Kinder, die nie eine Hausgeburt miterlebt haben, mit diesen Fotos umgehen? In einer Welt, in der Geburten fast  ausschliesslich in sterilen und klinisch reinen Spitälern stattfinden? Lassen Sie es mich frei heraus sagen: Einige der  medizinisch und fotografisch perfekten Fotos wirken geradezu angsteinflössend und  für den einen oder anderen in diesem zarten Alter wohl geradezu „eklig“ – aber ekeln darf sich heute ja niemand mehr!

Wie geht es nun weiter?

Die Sache wird nun wohl auch für die deutschschweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz  etwas zu prekär. Sie beteuert gemäss Artikel in der Weltwoche nun (Die Weltwoche; 23.06.2011; Ausgaben-Nr. 25; Seite 11 ), dass es im Rahmen des Lehrplanes 21 keinen Sexualkundeunterricht an Kindergärten geben wird. Ob nun Basel-Stadt nicht zur Deutschschweiz gehört? Oder die Konferenz die Pläne in unserem Kanton nicht kennt? Oder ob ich als Mutter wieder mal alles falsch verstanden habe?

Hinsichtlich der menschlich-politischen Taktik hat sich im Gegensatz zur Sexualpädagogik im Laufe der Geschichte nichts verändert.  Wenn der Gegendruck zu gross wird, hilft vorerst zur Entschärfung die  ”Abstreittaktik”, wobei gleichzeitig schon mal nach “Sündenböcken”  Ausschau zu halten ist, bis die Beweislage so erdrückend wird, dass es nun an der Zeit ist, gewisse Verfahrensfehler einzuräumen, diese möglichst aber nicht bei sich selbst zu suchen sondern letztendlich  den unglücklichen Umständen  zuzuschreiben sind.   – Und dafür kann man ja schliesslich nichts …

Bei Adam und Eva war das übrigens auch schon so.

Und mittendrin taucht dann plötzlich noch eine Stellungnahme des Erziehungsdepartements Basel-Stadt auf , gemäss derer alles doch ganz anders sei – seltsamerweise ist diese Stellungnahme aber von niemandem unterzeichnet, nicht konkret datiert und nennt auch keine verantwortungstragende oder auskunftsgebende Person. Ist diese Stellungnahme überhaupt gültig?

Weiss denn noch irgend jemand, was denn nun gültig ist?

Jedenfalls müssen vor den “unglücklichen Umständen” noch “Sündenböcke”  gefunden werden.  Ob es wohl dieses  Mal die Journalistinnen sind ?

Veröffentlicht unter:sexbox