Pfarrwahl Münster Basel

Veröffentlicht am 18. Mai 2011

1


In der, wie häufig betont, heterogenen Zusammensetzung der Pfarrwahlkommission zeichneten sich verständlicher Weise Interessenskonflikte ab. Allein schon die Diskrepanz, ob man die Kirche hauptsächlich

-        als „christliche Gemeinschaft“,

-        als „theologischen Lehr-und Predigtort“

-        oder primär als „kirchlich politische Institution“

wahrnimmt und sich selbst daran orientiert, hat und wird die Wahl einer Pfarrperson immer mitbestimmen.

Mein Ansatz war insofern kein „kirchenpolitischer“, weil mein Gradmesser, was gut und richtig ist, nicht in erster Instanz die kirchenpolitische Erwartung, sondern das offene und ehrliche Gespräch sowie das eigene Gewissen ist, das ich in letzter Instanz werde vor Gott verantworten müssen. Auch die „theologische Lehre“ stand bei meiner Beurteilung nicht im Vordergrund, da ein solches akademisches Erbe dazu neigt, idealisiert zu werden und bei aller gut gemeinten Tradition, leicht übersehen wird, dass man statt glühendem Feuer nur noch Asche weiterreicht. Leitend war meinerseits der Gedanke der „christlichen Gemeinschaft“, der über die Kerngemeinde hinausreicht und die Bedürfnisse und Nöte kirchlich Fernstehender aufgreift. Und der Gedanke, dass jeder Christ seine Sichtweise einbringen darf, ohne dafür gescholten zu werden. Gerade auch dann, wenn sie dem aktuellen Zeitgeist und einem Teil der Kommission nicht entspricht. Andernfalls laufen wir Gefahr, unsere Mitmenschen gerade auch in der Kirche zu Heuchlern, Taktierern und Manipulieren zu erziehen.

Wenn aber derartige Auseinandersetzungen nicht erwünscht sind, wird man künftig genötigt sein, sich auch bei Pfarrwahlkommission genau die Leute auszuwählen, von denen man annehmen kann, dass sie homogen genug sind und sich nicht zu Querulanten entwickeln. Man schwimmt doch schliesslich so gern mit dem Strom …

Um einer Gemeinde  eine Meinungsbildung zu ermöglichen, ist es meines Erachtens unumgänglich, nicht nur die positiven Seiten einer zur Wahl stehenden Person zu „verkaufen“ und die weniger ansprechenden zu verschweigen, was zwar durchaus menschlich ist und im Marketing und in der Politik meistens erfolgreich umgesetzt wird. Da aber die Wahrheit in den Kirchen das Licht nicht scheuen sollte, gilt es so wahrhaftig und  transparent  wie möglich damit umzugehen.

Dass einige Mitglieder der Kommission, um modern und zeitgemäss zu sein, im gutgemeinten Sinne der Gleichberechtigung  lieber auf eine Pfarrerin am Münster gesetzt haben, lasse ich stehen, kann es aber persönlich nicht so ganz nachvollziehen. Auch wenn hier und da stille Ambitionen, nun endlich eine Frau am Münster zu platzieren, eine Rolle gespielt haben mögen, wäre der Sensationsfaktor eh‘ 10 Jahre zu spät, weil wir heute feststellen müssen, dass durch die Überfeminisierung der Kirche und der Schule eine Identifikationskrise der jüngeren Männer eingetreten ist. Also wäre eine glaubwürdige, vorbildhafte  männliche Autoritätsperson, die sich in väterlicher Weise zum Wohle der Gemeinde und ihrer Mitmenschen einsetzt, in unserer heutigen Gesellschaft durchaus wieder gefragt – da viele Männer gar nicht mehr wissen, was ein guter Vater vermag.

Da müsste sich aber die Kirche überlegen, ob oder welches Profil sie in Zukunft anstreben möchte und inwieweit die Aussage im Römerbrief “ gleicht euch nicht dieser Welt an“ auch heute noch von Bedeutung ist. Denn ein Profil, das den weltlichen Massstäben immer um 10 bis 20 Jahre hinterherhinkt, ist eigentlich kein wirklich attraktives Profil und ein biblisches  wohl auch nicht.

Eine Profilierungsmöglichkeit der Pfarrwahlkommission und der drei Gemeindepfarrer wäre es nun, die Verantwortung mit allen zukünftigen Konsequenzen zu tragen, zumal sich die Gemeindepfarrer eindeutig für Pfrn. Dr. Caroline Schröder Field ausgesprochen haben. Ob dies so einvernehmlich geschah, sei dahingestellt. Und da nicht nur Tolstoi und Nietzsche ihren Erfahrungsreichtum mit dem „Klerus“ sammeln durften, sondern, und das ist für mich viel entscheidender, sogar Jesus mit den Pharisäern und Sadduzäern, wird die Bibel auch in dieser Hinsicht immer wieder lebendig.

Mein Ziel, nicht zu schweigen, war es, der Gemeinde möglichst nichts vorzuenthalten. Ihr aufzuzeigen, mit welchen Erwartungen sie an die neue Pfarrerin herantreten kann, sie zu ermutigen, sich selbst Gedanken über die zukünftige Entwicklung des Münsters zu machen und auf dieser Grundlage frei und ohne Menschenfurcht zu entscheiden. Vielleicht unterscheiden wir uns wenigstens in dieser Hinsicht zukünftig von der Welt!

Ob und in welche Richtung Frau Schröder die Geschicke unserer Gemeinde die nächsten Jahre oder Jahrzehnte lenken wird, wird sich zeigen. Und da vielleicht der Kerngemeinde die Auslegung des Wortes am Sonntagmorgen das grösste (oder sogar alleinige?) Bedürfnis ist, gilt es das zu respektieren. Neue Mitglieder und in diesem Zusammenhang die Aussage Jesu: „dass er zu den Kranken und nicht zu den Gesunden gekommen ist“, sind vielleicht gar nicht so relevant. Die physisch Kranken liegen zwar nicht mehr mit Lepra vor den Stadttoren, die psychisch Kranken mit Süchten und Depressionen allerdings gleich dahinter.

Frau Pfrn. Dr. Schröder Field wünsche ich, dass sie ihrem eigenen Wunsch entsprechend, gemeinsam mit ihrer Familie gut in Basel ankommen möge und den  Satz ihrer Jugendzeit auf dem Antependium in ihrer neuen Aufgabe am Basler Münster umzusetzen vermag: „Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knecht“. Bedauerlicherweise fördert das die Beliebtheit meistens nicht.

Resultate der Pfarrwahl:

Die Pfarrwahlkommission entschied sich mit 6 Stimmen für Frau Pfrn. Dr. Schröder Field, 3 dagegen und 1 Enthaltung.

Das Vorgehen in der Pfarrwahlkommission war leider nicht einvernehmlich – doch das war der knappen Mehrheit offensichtlich nicht wichtig. So war auch das Resultat der zehnköpfigen Pfarrwahlkommission  nicht einstimmig, „Einigkeit könne aber von einer Kommission dieser Grösse auch nicht erwartet werden“, erklärte der zuständige Vertreter des Kirchenrats in der Kommission.

Somit entschied sich die Kommission für einen kirchenpolitisch „demokratischen“ Entscheid, und die Fragen einiger Gemeindemitglieder, warum bei fehlender Einvernehmlichkeit der Kommission dann der Gemeinde nicht mehrere Kandidaten vorgeschlagen wurden, ist absolut berechtigt.

Nur müsste man sich vorher einigen, wann und für wen welche Spielregeln und welches Verständnis von Demokratie in der Kirche gelten. Denn eine Gemeinde vor ein fait-à-complit zu stellen und sie zu Kopfnickern zu degradieren, würde doch bekanntlich einen demokratischen Prozess unterlaufen!

Die Kirchgemeindeversammlung entschied sich mit 111 für die Wahl von Frau Pfrn. Dr. Schröder Field, bei 36 Gegenstimmen und 15 Enthaltungen.

Veröffentlicht unter:Kirche