Nach dem kurzen aber sehr aufschlussreichen Einblick in die Pfarrwahlkommission des Basler Münsters bleiben nicht nur Fragen punkto Transparenz, Glaubwürdigkeit, Aufrichtigkeit, sondern auch Fragen, hinsichtlich der Zukunft unserer Kirche, in dieser uns bekannten Form. Da Kirchenaustritte nach wie vor zu beklagen sind, muss doch irgendetwas in Schieflage geraten sein? So sei die selbstkritische Frage erlaubt: Wenn „Wir als Licht dieser Welt“ eher abstossen als anziehen, ist da vielleicht das Licht unbemerkt erloschen?
Letztendlich, und das ist wohl eine der Hauptfragen bei der Identitätsfindung unserer Kirchen, welches wird ihr eigentliches Fundament in Zukunft sein und welche Form der Gemeinschaft wird prägend sein? Versteht sich die Kirche eher als geistliche, als politische oder als sowohl als auch Gemeinschaft?
Wenn sie eine geistliche Gemeinschaft anstrebt, aber mit demokratisch politischen Richtlinien agiert, also weltlich menschliche Massstäbe den eigentlichen Prozess bestimmen, dann besteht in dieser Hinsicht tendenziell wie in allen gegensätzlichen Mischformen eine Ambivalenz. Das eine sauber vom anderen zu trennen, erfordert geradezu „übermenschliche Fähigkeiten“ und der Authentizität ist es nicht gerade förderlich, der Schizophrenie dafür umso mehr.
Versteht sie sich hauptsächlich als politisch demokratische Gemeinschaft, „geistlich leicht gewürzt“, bleibt der bittere Nachgeschmack, dass sich in Krisen der politische „Geist“ durchsetzen wird und dies bedeutet in den meisten Fällen, Macht und die lauernde Gefahr des Machtmissbrauchs, da unsere Welt mit altruistischen Menschen nun mal nicht sehr reich bestückt ist.
Wobei natürlich die Saat des selbsternannten Machtanspruchs in allen Gemeinschaftsformen aufgehen kann, nur ist der Nährboden dafür unterschiedlich gedüngt. Und bekanntlich zeigt sich der Umgang damit erst, wenn man sie besitzt, ob sie zum eigenen Vorteil oder zum Wohle der anderen eingesetzt wird. Zur Macht gesellt sich ausserdem gern der willkommene Begleiter „Geld“. Allianzen mit diesem Machtfaktor, die sich über Jahrhunderte eingeschlichen, und deren Einfluss kaum mehr wahrgenommen wird, lassen Abhängigkeiten ungeahnten Ausmasses entstehen, denen selbst schwerste Kirchentore nicht standhalten. Und der Hinweis Jesu: Du kannst nicht zwei Herren gleichzeitig dienen, regt in diesem Zusammenhang vielleicht wieder zum Nachdenken an.
Versteht sie sich als rein geistliche Gemeinschaft, in der biblische Massstäbe bestimmend sind, wie: „göttliche“ Liebe, Vergebung, gegenseitiges Dienen ohne Gestalt eines menschlichen Meisters, besteht hier wiederum die Gefahr, bei ungenügender Wachsamkeit, ins sektiererische abzugleiten, da nicht zuletzt das mit dem „Meister“ so eine ganz komplizierte menschliche Angelegenheit ist.
Ist die Kirche auf der Suche nach einem echten Profil oder möchte sie lieber pluralistisch und flexibel bleiben, auf neueste Trends aufspringen, um ihre Chancen mit einem möglichst weltoffenen Image zu erhöhen? Oder möchte sie mit christlichen Management, Glaubens –und Meditationskursen oder christlichen Personalentwicklungsstrategien zeitgemässe Antworten geben, auf den Sinn des Lebens oder Glaubens? Oder wäre es vielleicht nicht doch angebracht, erst mal das eigene Haus in Ordnung zu bringen, und die Frage des Lichts regelt sich dann von ganz allein und die Zahl der Mitglieder auch?
Wie wir sehen, ist die Aussage: „Ihr seid in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt“ gar nicht so einfach umzusetzen. Und da wir ja sowieso alle „Sünder“ sind und uns Christen die Allversöhnung die ersehnte Gewissenserleichterung verschafft, spielt es ja sowieso keine Rolle. Oder etwa doch?

Veröffentlicht am 17. April 2011
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